Sneakers zum Tomaten treten
Natur, Medien, Kunst Kultur April 14th, 2010Sneakers, mit denen man Tomaten zertreten kann. Die halten einiges aus.
Lassen Sie uns zunächst einmal an den amüsanten Titel anknüpfen. Eigentlich müsste dahinter ein breit lächelnder Smiley platziert werden, denn mit Sneakern zum Tomaten treten sind natürlich Schuhe gemeint, die waschbar sind, die tatsächlich in die Waschmaschine gesteckt werden können. Aber es ist richtig, wenn schon Tomaten getreten werden müssen, und das mit Schuhen an den Füßen, dann sind nur Sneaker dieser sehr heiklen Aufgabe gewachsen. Ist das nicht eine herrliche Idee für Ihren Kindergeburtstag, Tomaten treten? Sie müssten ja lediglich allen eingeladenen Kindern sagen, dass sie Sneakers tragen sollten. Diese Auflage muss den Eltern schon gemacht werden. Nein, Sie teilen meine Begeisterung überhaupt nicht? Ja nun, die Angelegenheit sollte vorzugsweise an einem warmen Sommertag im Freien stattfinden. Aber zurück zur Pflegeleichtigkeit des Sneakers, der, immer aus festem Leinenmaterial gefertigt, durchaus in der Waschmaschine gewaschen werden kann, und das immer wieder. Der Sneaker ist mit dem Anblick der Waschmaschine vertraut. Stecken Sie beide Schuhe einfach in einen kleinen Sack, der verhindert, dass die Sneaker in der Trommel hin und her geworfen werden. Irgendetwas findet sich schon in Ihrem Haushalt, in das Sie die Sneaker stecken können. Eine Einkaufstasche aus Leinen eignet sich hierfür hervorragend. Das nimmt der Sneaker nicht übel, nein, ganz im Gegenteil, denn schließlich ist er ja einer, mit dem man Tomaten treten kann, der mit uns durch dick und dünn geht, auf den wir uns verlassen können. Das Sprichwort ‘mit jemanden Pferde stehlen zu können’ kennen wir ja alle, aber ‘mit jemanden Tomaten treten zu können’ ist eine gelungene und witzige Wortwahl, die durchaus auch das Zeug hat, in unseren täglichen Sprachgebrauch Einzug zu halten.
Der Sneaker ist ein äußerst genügsamer Lebensgefährte. Ist er klatschnass geworden, hängt man ihn einfach auf. Er verlangt nicht nach Schuhcreme und Bürste, Schuhpolitur ist für ihn ein Unwort. Ja, und wenn dann Ihr Kind mit völlig verdreckten Sneakern, die einmal hellgelb oder pink waren, nach Hause kommt, was dann? Wie gesagt, nichts wie ab mit den Sneakern in die Waschmaschine. Das Ergebnis ist ein befriedigender Vorher-Nachher-Effekt. Da strahlen sie wieder, die Sneakers, in ihrem schönen Hellgelb, die jetzt zum Trocknen ein wenig Ruhe haben. Die brauchen sie auch, denn die nächste Schlacht steht ganz kurz bevor. Sicher, auch nach dem nächsten Einsatz werden die Sneaker wieder äußerlich übel aussehen, aber nur ganz kurzfristig, um dann umso strahlender wieder hinaus ins Leben zu gehen. Der Sneaker kennt dieses Prozedere. Will man an dem Sneaker etwas auszusetzen finden, muss man schon nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen suchen. Zu heißes Waschwasser hält natürlich auch ein Sneaker nicht aus. Na bitte, dann haben wir ja doch ein Fehlerchen bei diesem Musterknaben, dem Sneaker, gefunden! Nein, das ist natürlich kein Makel, jedes Kleidungsstück verlangt eine angemessene Waschtemperatur.
Sneakers zum Tomaten treten. Eine kurze Begriffserklärung haben sie verdient.
Der englische Begriff des “Sneakers” mit dem entsprechenden Verb “to sneak” bedeutet ja ‘Schleicher’ bzw. ’schleichen’, ein Synomym wäre ‘der Leisetreter’. Sie kennen ja den spannenden Film “Sneakers, die Lautlosen” mit Robert Redford, ein gut gemachter Streifen, in dem die Herren bei ihrer Arbeit ja absolut geräuschlos vorgehen mussten. Eine sehr gute Namenswahl also, die des Sneakers, denn genauso kommt er daher, leicht und leise. Ja, der Sneaker ist immer ein leichter, ein junger Schuh. Und bei allem Chic, aller Coolness, die er ausstrahlt, ist er ein robuster Weggefährte, der mit atemberaubender Farbauswahl aufwartet. Sneaker gibt es als Halbschuhe, aber auch in der Form halbhoher Schnürstiefel. In früheren Zeiten hätte man den Sneaker schlicht als Turnschuh bezeichnet, aber diese Bezeichnung würde ihm heute nicht gerecht, denn er stellt zwar eine sehr gelungene Mischung aus einem Retro-Turnschuh und einem Alltagsschuh für die warme Jahreszeit dar, aber ein Sportschuh im eigentlichen Wortsinn ist der Sneaker nicht.
Tomaten treten mit Sneakers. Darin steckt viel Lebensfreude.
Sie werden es schon bemerkt haben. Ich mag diese Ausdrucksweise sehr. Wir sollten viel öfter sagen: “Das ist doch zum Tomaten treten”. In diesen Worten steckt sehr viel Lebensfreude, wir haben Lust, gerade jetzt etwas völlig Verrücktes anzustellen. Wir könnten umherspringen und dabei Tomaten treten. Es ist vielleicht gut, dass gerade jetzt keine im Hause sind. Ja, Sneakers in ihren herrlichen Farben spenden durchaus Lebensfreude, ihr Anblick freut uns. Also, es ist Frühjahr, das ist doch zum Tomaten treten, nicht wahr? Die Sneaker wollen wieder hinaus in das Leben. Ich werde jetzt zwar keine Tomaten treten, aber ich werde sie anziehen, meine Sneaker, um mit dem Hund spazieren zu gehen. Ich denke, meine hellgrünen werden es sein.