Ketchup - ursprünglich
„Kê-tsiap“ so exotisch klingt der Name einer Ende des 17. Jahrhunderts in China in Gebrauch befindlichen, eingedickten Fischsoße. Diese wurde regelmäßig zum Essen serviert. Es ist somit nicht verwunderlich, dass sie den europäischen Handelsreisenden irgendwann begegnen musste. Ob dies aber nun der wahre Ursprung unseres heute so beliebten Ketchups sein könnte, ist ungewiss, denn es gibt viele andere Herleitungsmöglichkeiten für den Namen und die Historie des Ketchups.

Ketchup - Die Geschichte eines großen Namens
Als catchup bezeichnet, findet der Begriff erstmalig in einem britischen Wörterbuch am Ende des 17. Jahrhunderts Erwähnung. Man bezeichnete damit ganz allgemein eine Soße aus „East-India“. Da damit damals der gesamte ostasiatische Raum gemeint war, wird sich wohl nie ganz klären lassen, ob die Soße nun tatsächlich aus China, aus Indonesien oder gar aus Vietnam stammt. Manche vermuten sogar, dass die englischen Seefahrer das Rezept von ihren Reisen mitbrachten und es sich daher eher um das malaysische “kichop” handelt, das unter anderem aus Austern bestand. Richard Bradley veröffentlichte in einer Zeitschrift ein Ketchup-Rezept, das angeblich aus „Bencoulin in the East Indies“ stammt und gab als Basis Kidneybohnen an. Bencoulin, das auf Sumatra liegt und eine britisch verwaltete Siedlung war, könnte somit ebenfalls als ursprüngliche Heimat des Ketchups gelten. Nur eines lässt sich mit Gewissheit behaupten: alle diese asiatischen Soßen waren garantiert frei von Tomaten.

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Das erste Rezept für englischen Ketchup wurde 1727 in einem Ratgeber für Hausfrauen beschrieben. Mit dem heutigen Tomatenketchup hatte diese Rezeptur allerdings nicht viel gemeinsam. Lediglich die Tatsache, dass beide als schmackhafte Soße zum Essen gereicht werden, kann man als Übereinstimmung gelten lassen. Der Experimentierfreude waren keine Grenzen gesetzt und stellten die Variationen aus der Neuzeit sicherlich in den Schatten. Verarbeitet wurde je nach Saison und Standort Zutaten wie Beeren, Nüsse oder Anchovis. Die unterschiedlichen Kompositionen erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass man Mitte des 18. Jahrhunderts Fertigsoßen unter dem Namen „catchup“ in Geschäften kaufen konnten.

Ketchup – alles Tomate?
Ob die erstmals 1804 in Großbritannien aufgetauchte italienische Tomatensauce den Tomaten-Ketchup auf den Weg brachte kann nur vermutet werden. Jedenfalls sorgte der Zusatz von Essig dafür, dass eine länger haltbare Soße entstand. Der eigentliche Siegeszug begann mit dem deutschstämmigen Amerikaner aus der Pfalz namens Henry John Heinz, der das Ketchup industriell herstellte. Was Mitte des 19. Jahrhunderts als Nebenprodukt bei der Herstellung von Tomatenkonserven begann, entwickelte sich bis 1905 zu einem Produktionsumfang von 5 Millionen Flaschen im Jahr. Eine der ersten Rezepturen aus dem Jahr 1883 enthielt neben Tomaten und Essig Gewürznelken, Cayennepfeffer, Muskatnuss, Zimt und Piment. Von großer Bedeutung für den Siegeszug des Ketchups hat auch die Verpackung. Während die ersten professionellen Hersteller ihre Fertigsoßen gerne in Fässchen verkauften, verschaffte man dem Verbraucher mit dem Produkt in der Glasflasche im wahrsten Sinne des Wortes den Durchblick. Das Ketchup wird sichtbar und vermittelt ein gutes Gefühl beim Kauf und die Gewissheit, dass hier Qualität aus der Flasche kommt.

Ketchup oder Ketschup – meets Bratwurst
Mitte der 50er Jahre eroberte das Ketchup auch den deutschen Markt und wurde zu einem unentbehrlichen Begleiter von Bratwurst und Pommes. Bald schon entstanden neue Sorten wie Schaschlik und Curry oder Exoten wie Mango. Der Klassiker „Tomaten-Ketchup“ bleibt unter allen der Favorit. Heute werden alleine bei Kraft pro Minute 220 Flaschen Ketchup abgefüllt. Auch die Kritiker, die ein zu wenig an Tomate und ein zu viel an Zucker bemängeln, konnten der Beliebtheit nicht schaden. Und die kleinen, handlichen Portionstütchen in den Fast-Food-Restaurants erreichen auch diejenigen, die keine obligatorische Flasche im Kühlschrank stehen haben.
Last but not least ist die Bedeutung von Ketchup in Deutschland so groß, dass sich die Rechtschreibreform damit befasst: Ketchup oder Ketschup, das ist bei der roten Soße sicherlich nicht die wichtigste Frage. Da scheiden sich die Geister doch eher bei klassischer Glasflasche zum Schütteln oder Plastikflasche auf dem Kopf – ein Druck genügt.
Aber das ist nun wirklich Geschmackssache und nicht nur Historie.